Nachdem ich mich in meinem letzten Beitrag über die "bisher anstrengendste Woche" beschwert habe kann ich jetzt nur darüber schmunzeln. Die letzte Woche, und voraussichtlich auch die kommende, werden vollgestopft sein mit schreiben, lernen, lernen und schreiben. Ich bin mal wieder kurz angebunden, daher nur kurz:
Am Wochenende sollte es für einen kleinen aber feinen und vor allem entspannten Trip nach Chicago machen. Alles war top geplant. Freitag um 19 Uhr ging das Flugzeug. Geplant war ein kurzer Zwischenstopp in Detroit um dann von dort aus nach Chicago zu fliegen. In Detroit planmäßig angekommen ging es direkt mal in den Irish Pub der sich direkt neben unserem Gate befand. Ein heimisches Bier sollte die Wartezeit von 70 Minuten verkürzen. Das Bier war schnell geleert und die Zeit schnell verflogen. Als wir aus dem Pub kamen dann der Shock: B12 Detroit to Chicago – CANCELLED. Na super. Am Schalter von Delta Airlines erfuhren wir dann das der Flug nicht wie erst vermutet aufgrund von schlechtem Wetter gestrichen wurde, nein Delta hatte nicht genug Flugbegleiter...da wird einem doch ganz anders. Delta bot uns dann an den Flug am nächsten Tag um 19 Uhr nach Chicago zu nehmen, so viel zu unserem Wochenende dachten wir. Der Samstag sollte doch eigentlich zum Sightseeing genutzt werden. So viel zu einem kleinen aber feinen Wochenende. Thomas, immer noch mein Zimmernachbar und in dieser Geschichte minderbemittelter Reisebegleiter, und meine Unterhaltung wurde von zwei Damen überhört. Die beiden, eine Anfang 30 und die andere Anfang 20, saßen genau wie wir in der Patsche und haben sich spontan ein Auto gemietet. Wir konnten uns kostenfrei anschließen, welch eine Wonne. So fuhren wir dann Freitag nachts von 23 Uhr bis ca. 3 Uhr morgens durch Michigan, Indiana bis hoch nach Chicago, Illinois. Ärgerlich, aber eigentlich auch eine nette Erfahrung. Während den 4 Stunden Fahrt hingen wir ungefähr 3 Stunden in der Warteschleife von Delta um unseren Flug erstattet zu bekommen.
In Chicago angekommen wurde sich bei Thomas' norwegischen Freunden eingenistet. Ein sehr netter Haufen soweit. Samstag konnte dann nach einem starken Kaffee wie geplant zum Sightseeing genutzt werden. Der Willis Tower, Milenium Park und der Navy Pier standen auf dem Programm. Chicago ist eine schöne Stadt, das Wetter war kalt, aber klar. Daher konnte auf dem Willis Tower – dem höchsten Gebäude in Nordamerika – auch fleißig geknipst werden. Abends sollte dann das Nachtleben erkundet werden. Zunächst ging es zu einer seltsamen Studentenparty wie man sie am ehsten aus Filmen wie American Pie kennt. Danach dann in eine Bar/Nachtclub namens The Apartment. Thomas, mich und unsere zwei Begleiterinnen (die Freunde bei denen wir auch auf der Couch nächtigen durften) verschlug es auf dei Tanzfläche, da mir das Gedränge und doof Getanze schnell zu doof wurde verzog ich mich an die Bar und lies den deutlich angetrunkenen Thomas mit den Damen alleine. An der Bar genehmigte ich mir ein Blue Moon (eines der US Biere die ich mir gerne mal gönne) und schrieb die ein oder andere SMS mit den Freunden die in Washington geblieben sind. Nach ca. einer halben Stunde schickte ich eine Nachricht an Thomas "Hey, ich bin an der Bar. Sag bescheid wenn ihr geht, ich kenne die Adresse nicht." ... 10 Minuten später kam eine mit orthografischen Fehlern übersäte SMS zurück die mir mitteilte, dass sich Thomas wohl schon mit den Mädels nachhause verabschiedet hat. So stand ich nun, ein einfacher junge aus dem fernen Wiesbaden um drei Uhr in der Früh in der Großstadt Chicago und wusste nicht wohin. Spitze...daraufhin musste ich erstmal mein Bier austrinken. Wie ihr an diesem Niedergeschriebenen erkennt habe ich es überlegt, ihr braucht euch keine Sorgen machen. Die Gangster haben mir auch nur ins Bein geschossen, ein Streifschuss, der Arzt hat gesagt in zwei Wochen kann ich vielleicht wieder laufen... NEIN mir geht es gut. Nachdem ich Thomas mit einer netten SMS aufforderte mir die Adresse zu nennen – der genaue Wortlaut der SMS ist hier nicht so wichtig...die meisten Worte fingen mit F an und hörten mit UCK auf – konnte mich ein Taxi aus meiner misslichen Lage befreien. Im Endeffekt war es nur ein Missverständnis das schnell aufgeklärt wurde.
Der Sonntag war dann nach einem langen Schläfchen nur noch zum Rückflug gut. Ganz entspannt mit der Bahn zum Flughafen gefahren, wir lagen mit einem Puffer von 1:40h super in der Zeit. Am Schalter sollten noch schnell die Boardkarten gedruckt werden. Nach einem unterdrückten Lacher der Delta Frau der Schock: ich hatte den großen Fehler gemacht Thomas die Reisevorbereitungen zu überlassen. Er hatte es großzügigerweise angeboten, wusste er doch um meinen Lernstress. Thomas hatte das auch alles ordentlich gemacht. Hatte aber leider nicht bedacht, dass Chicago zwei große Flughafen hat und uns dann prompt zum falschen Flughafen geführt. Wir mussten nach O'Hare, waren aber in Midway. So viel zu unserem Puffer. Die schnellste Möglichkeit war das gute alte Taxi. Was soll ich sagen, wir haben es geschafft und auch nur weil die Straßen Sonntags frei sind. Mein unerfreuter Gesichtsausdruck veranlasste Thomas dann auch die 70 Dollar für das Taxi aus eigener Tasche zu zahlen...immerhin.
Nachdem wir dann Sonntag Nacht wieder in DC angekommen waren durfte der Montag und er Dienstag genutzt werden um für meine Zwischenprüfung zu lernen, die ich dann heute auch schreiben durfte. Geschafft ist geschafft. Nun muss ich nur noch zwei Hausarbeiten schreiben und dann sind Frühlingsferien und meine Irina ist endlich hier. Jippie :)
Dieser Blog ist ein Reisebericht über die Abenteuer des Michael H. Der Blog zeigt wie Michael auszog, um die Welt zu entdecken. Naja, eigentlich nicht die Welt sondern nur Washington und Umgebung. Aber das ist schon ganz schön aufregend.
Mittwoch, 26. Februar 2014
Sonntag, 16. Februar 2014
Bilderreihe New York
| Dan (Amerikaner) und ich am Times Square |
| Wenigstens ist er ehrlich! |
| Meine Wenigkeit in einer Bilderbuch-Ghettogasse |
| Die U-Bahn in New York ist eine Sache für sich |
| Dan, Michael (Deutschland), Trine (Norwegen) und Théodora (Frankreich/China) |
| Freedom Tower, fast fertiggestellt |
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| Wunderschöne Feuerleiterparade |
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| Ufer des East Rivers mit der Brooklyn Bridge und einem Teil der Skyline |
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| Ein Norweger der in einem New Yorker Irish Pub namens Café Paris sitzt |
| Selbes Cafe, die Dame ist Izzy und musterte sich schnell als talentierte Stadtführerin |
| In der Bar Fat Cat lässt man es sich mit Brettspielen, Billard, Tischtennis oder Airhockey gut gehen... |
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| ...während man nebenbei guten Live-Jazz geboten bekommt |
| Sieht professionell aus, ist es aber nicht |
| Letzter Tag, Empire State Building im Hintergrund. |
Mittwoch, 12. Februar 2014
Ja, ich lebe noch.
Viele werden es sich sicher gefragt haben: "lebt der Jung denn noch? Er schreibt ja gar nicht mehr." Doch ich lebe noch. Ein bisschen. Ich bin ziemlich müde. Deshalb ein kurzer Abriss der
Es war eine sehr anstrengende Zeit die letzte Woche, das Wochenende und die letzten Tage. Donnerstag und Freitag meine Recherche in der wunderschönen Kongressbibliothek angefangen, dort ein Bücherregal für meine Familie angelegt, mütterlicher- wie väterlicherseits. Man darf auf einen Nachnamen nur 5 Bücher hinterlegen, weshalb nun ein Regal auf Held und eins auf Kempf reserviert ist. Die Kongressbibliothek hat 45 Millionen Bücher, ich hoffe mir geht da nicht Mitte März der Lesestoff aus. Sehr beeindruckend welch akkumuliertes Wissen sich in diesem Gebäudekomplex befindet.
Das Wochenende wurde in New York verbracht. Am Freitag um 6:30 pm mit dem Bus von DC nach New York. Nach vier Stunden konnte man schon die Skyline erahnen und dann der Shock, noch in New Jersey kurz vorm Lincoln Tunnel: der Bus versagt, Motor aus... Ich lache alle anderen sind geshockt. Der Busfahrer steigt aus klopft zwei Mal gegen den Motor, steigt ein und die Fahrt geht weiter. Nach der Ankunft in New York bedanke ich mich und drücke meine Freude darüber aus, dass der Bus dann doch wieder angesprungen ist. Daraufhin der Busfahrer: "Ha, don't worry. I know this bus better than I know myself!" – Das ist doch mal was.
Nachdem Freitag Abend die Energie nur noch für das Einchecken und ein Nachtmal gereicht hat beginnt der New York Trip eigentlich erst Samstag früh. Im Hostel schnell so etwas ähnliches wie ein Frühstück zu uns genommen und dann ab auf die Eisbahn die die New Yorker Bürgersteig nennen – dank der winterlichen Verhältnisse war der Gehweg mit einer ca. 10cm dicken Eisschicht überzogen. Meine Mission war einfach, da man an einem Tag eh nicht wirklich etwas unternehmen kann wird vor allem viel gelaufen um ein Gefühl von der Stadt zu bekommen, damit ich die Stadt dann bei meinem zweiten Besuch besser erkunden kann. Geschätzte 15 Kilometer zu Fuß führten mich an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei: Chinatown, Brooklyn Bridge, Rockefeller Center, Empire State Building, Little Italy, Wall Street und dem Times Square. Wir – das sind eine Französin, zwei Norweger und meine Wenigkeit – trafen dann noch einen weiteren Mitstudenten, den Amerikaner Dan und eine in New York lebende Freundin Izzy.
Das Nachtleben wollten wir dann auch ganz gerne erkunden. Izzy die Ortskundige hatte auch schon einen Plan. Abends haben wir in einem Restaurant auf der Upper Westside fürstlich gespeist (beruhig dich Vater, so teuer war es nicht) und sind dann mit der U-Bahn wieder nach Downtown in einen sehr netten Club gegangen. Schlappe 3$ Eintritt und die ganze Nacht Live Jazz gehört. Um drei Uhr fing die Jam Session los, da konnte jeder der ein Instrument mitbringt mit der Jazz Truppe spielen, das Ergebnis war herrlich.
Der Sonntag wurde dann völlig übermüdet hinter sich gebracht und um 23 Uhr waren wir dann wieder in Washington im Wohnheim.
Die letzten zwei Tage habe ich übrigens am Schreibtisch verbracht um mein zweites Paper fertig zu schreiben. Erwies sich dann doch als schwieriger als erwartet. Mit dem Endergebnis bin ich dann aber doch recht zufrieden.
Für morgen sind 12 bis 25 cm Schnee angesagt. Ich schätze mal ich arbeite morgen von zuhause aus.
Es war eine sehr anstrengende Zeit die letzte Woche, das Wochenende und die letzten Tage. Donnerstag und Freitag meine Recherche in der wunderschönen Kongressbibliothek angefangen, dort ein Bücherregal für meine Familie angelegt, mütterlicher- wie väterlicherseits. Man darf auf einen Nachnamen nur 5 Bücher hinterlegen, weshalb nun ein Regal auf Held und eins auf Kempf reserviert ist. Die Kongressbibliothek hat 45 Millionen Bücher, ich hoffe mir geht da nicht Mitte März der Lesestoff aus. Sehr beeindruckend welch akkumuliertes Wissen sich in diesem Gebäudekomplex befindet.
Das Wochenende wurde in New York verbracht. Am Freitag um 6:30 pm mit dem Bus von DC nach New York. Nach vier Stunden konnte man schon die Skyline erahnen und dann der Shock, noch in New Jersey kurz vorm Lincoln Tunnel: der Bus versagt, Motor aus... Ich lache alle anderen sind geshockt. Der Busfahrer steigt aus klopft zwei Mal gegen den Motor, steigt ein und die Fahrt geht weiter. Nach der Ankunft in New York bedanke ich mich und drücke meine Freude darüber aus, dass der Bus dann doch wieder angesprungen ist. Daraufhin der Busfahrer: "Ha, don't worry. I know this bus better than I know myself!" – Das ist doch mal was.
Nachdem Freitag Abend die Energie nur noch für das Einchecken und ein Nachtmal gereicht hat beginnt der New York Trip eigentlich erst Samstag früh. Im Hostel schnell so etwas ähnliches wie ein Frühstück zu uns genommen und dann ab auf die Eisbahn die die New Yorker Bürgersteig nennen – dank der winterlichen Verhältnisse war der Gehweg mit einer ca. 10cm dicken Eisschicht überzogen. Meine Mission war einfach, da man an einem Tag eh nicht wirklich etwas unternehmen kann wird vor allem viel gelaufen um ein Gefühl von der Stadt zu bekommen, damit ich die Stadt dann bei meinem zweiten Besuch besser erkunden kann. Geschätzte 15 Kilometer zu Fuß führten mich an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei: Chinatown, Brooklyn Bridge, Rockefeller Center, Empire State Building, Little Italy, Wall Street und dem Times Square. Wir – das sind eine Französin, zwei Norweger und meine Wenigkeit – trafen dann noch einen weiteren Mitstudenten, den Amerikaner Dan und eine in New York lebende Freundin Izzy.
Das Nachtleben wollten wir dann auch ganz gerne erkunden. Izzy die Ortskundige hatte auch schon einen Plan. Abends haben wir in einem Restaurant auf der Upper Westside fürstlich gespeist (beruhig dich Vater, so teuer war es nicht) und sind dann mit der U-Bahn wieder nach Downtown in einen sehr netten Club gegangen. Schlappe 3$ Eintritt und die ganze Nacht Live Jazz gehört. Um drei Uhr fing die Jam Session los, da konnte jeder der ein Instrument mitbringt mit der Jazz Truppe spielen, das Ergebnis war herrlich.
Der Sonntag wurde dann völlig übermüdet hinter sich gebracht und um 23 Uhr waren wir dann wieder in Washington im Wohnheim.
Die letzten zwei Tage habe ich übrigens am Schreibtisch verbracht um mein zweites Paper fertig zu schreiben. Erwies sich dann doch als schwieriger als erwartet. Mit dem Endergebnis bin ich dann aber doch recht zufrieden.
Für morgen sind 12 bis 25 cm Schnee angesagt. Ich schätze mal ich arbeite morgen von zuhause aus.
Fotos folgen, dafür habe ich gerade keine Muße.
Sonntag, 2. Februar 2014
Anstrengende Woche, seltsame Redner und der Beginn des Praktikums
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| Ich als Anchorman (Nachrichtensprecher) für Channel 4 News |
Wow, das nenne ich mal eine anstrengende Woche. Montag ging es erstmal sehr angenehm los. Morgens ging es mit der gesamten Klasse ins Newseum, das ist ein Museum, was sich nur auf Nachrichten spezialisiert hat. Dabei wird selbstredend über amerikanische Meilensteine der Berichterstattung aufgeklärt. Trotzdem bietet das Museum einen wirklich ausgewogenen Mix aus bewegten Bildern um das jüngere Publikum zu binden, interaktiven Lernstationen und den üblichen Museumsstücken. Los ging es mit einer Halle in der Zeitungen der letzten 500 Jahren ausgestellt waren. Darunter natürlich besonders einprägsame Schlagzeilen wie "The King is Dead", "Jesse James Assasinated", "Man on the Moon" oder "Bastards" (eine Schlagzeile nach 9/11). Etwas durchrennen musste ich durch die Ausstellung die sich mit der Bürgerrechtsbewegung beschäftigte, da muss ich noch mal hin, denke ich. Beeindruckend war ein kleines Kino – direkt neben der original Antenne eines der Twin-Towers – das einen Film über die Berichterstattung zum 11. September 2001 zeigte, die Bilder bewegen einen immer noch. Als wir an einem Teil der Berliner Mauer vorbeikamen war ich endlich mal der Student mit dem meisten Wissen über ein Museumsstück – nett!
Nach dem Newseum ging es zurück zum Campus wo schon ein Redner auf uns wartete. Ein Urgestein der Republikaner, der bei den Präsidentschaftskampagnen von Ronald Reagan, George H.W. Bush, George W. Bush und John McCain mitgearbeitet hat. Das Thema war eine Übersicht über die politische Landschaft 2012 und 2014. Das ganze war natürlich deutlich aus republikanischer Perspektive. Das ein oder andere Mal muss man da schon mal die Zähne zusammenbeißen um nicht laut aufzuschreien. Ein Mann kann manche Lügen halt nicht dauerhaft ertragen. Zwischenzeitlich dachte ich mir, wenn ich noch einmal höre, dass die USA immer noch das einzige Land ist in dem man von Nichts zum Millionär aufsteigen kann... Unser Professor hat uns leider verboten die Redner zu debattieren, sonst hätte ich ihn gerne mit der unbequemen Wahrheit konfrontiert, dass die USA in Sachen sozialer Mobilität (die Wahrscheinlichkeit, dass eine Generation im Vergleich zur Elterngeneration auf der sozialen Leiter nach oben klettert) weltweit leider bei weitem nicht den ersten Platz belegen. Amerika ist im rennen um den Amerikanischen Traum nämlich leider nur 16ter. Zu doof.
Dienstag ging es dann mit einem ähnlich bescheuerten Republikaner weiter. Der erzählte uns eine Stunde lang warum man das Bildungsministerium, das Umweltministerium und Obamas Krankenversicherung schleunigst abschaffen sollte. Hier fiel auf wie groß die Kluft zwischen Charisma und Botschaft sein könnte. Nach den ersten Paar Minuten hätte ich ihn am liebsten auf ein Bier eingeladen, so sympathisch war mir der Kerl. Als er dann anfing seine "Botschaft" zu verkünden wäre ich am liebsten schreiend herausgerannt. Was er da als republikanische Werte verkauft ist einfach nur eine herzlose, egoistische Politik die an Sozialdarwinismus grenzt.
Auf der gemeinsamen U-Bahnfahrt zum nächsten Termin bat mich mein Professor doch mal meine Meinung zum Thema Merkel und ihrem Politikstil zum Besten zu geben. Nichts lieber als das und so präsentierte ich ihm meine völlig unvoreingenommene (Witz des Tages!) Meinung über Graf Merkula und ihrer Politik des Aussitzens. Welch ein Spaß.
Danach ging es zu seinem demokratischen Gegenstück. Einer grassroots Organisation die sich um die Finanzierung von Wahlkämpfen kümmert und sich gegen diskriminierende Wahltaktiken ausspricht. Nachdem der oberste Gerichtshof vor einigen Monaten Teile des "Voting Rights Acts" für ungültig erklärt hat, gibt es für diese Organisation mehr Arbeit als zuvor. Der "Voting Rights Act" besagte, dass Bundesstaaten (vor allem im Süden der USA) die eine Geschichte der institutionalisierten Diskriminierung bestimmter Wählergruppen aufweisen gewisse Auflagen und Wahlbeobachter über sich ergehen lassen müssen, damit sicher gestellt wird, dass Schwarze, Latinos und andere Minderheiten nicht um ihr Wahlrecht gebracht werden. Und ratet mal was genau 24 Stunden nach der Entscheidung des obersten Gerichtshofes passiert ist? Richtig, die ersten Staaten (zufällig alle unter republikanischer Führung) führten neue Wahlgesetze ein. Nun muss in vielen dieser Staaten ein potenzieller Wähler einen Ausweis mit Photo vorzeigen – da es in den USA keine Pflicht gibt einen Ausweis zu besitzen und vor allem ärmere Menschen, die eher Demokraten wählen, weder Führerschein noch Ausweis besitzen führt das dazu, dass vielen Bürgern das verfassungsmäßig zugesicherte Wahlrecht entzogen wird. USA land of the free!!!
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| Auch ich muss manchmal typische Touristenbilder schießen!!! |
Mittwochs war ein ruhiger Tag, zunächst wurde in der Uni ein Brainstorming zum Thema Senatskomitees gemacht. An das komische US-Unterrichtsprinzip des Reinrufens kann ich mich noch nicht gewöhnen. Ich hebe immer brav meine Hand und warte darauf aufgerufen zu werden, während mein Sitznachbar die Antwort einfach reinruft und Punkte sammelt. Seltsames Prinzip. Da wird mir 15 Jahre lang beigebracht ich soll nicht reinrufen und mich melden und nun??? – Verwirrend! Danach wurde in Gruppen ein Wahlkampfplan für eine fiktive Präsidentschaftswahl entworfen. Das macht Laune.
Abends dann ein Treffen mit meinem Mentor Jim, um meine ersten Aufgaben im Praktikum zu besprechen. Da es sich hierbei ja schließlich um ein noch unveröffentlichtes Buch geht kann ich hier nicht viel über inhaltliches schreiben, GEHEIM!!! Es ist aber definitiv was feines, wenn ein gestandener Autor zu einem sagt: "I am looking forward to working with you!" (Ich freue mich mit dir zusammenzuarbeiten).
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| Eintrittskarte in eine Welt des Wissens |
Donnerstag ging es dann mehr oder weniger mit dem Praktikum los. Zunächst mal ging es vor allem um Formalitäten. Ich musste mir ein halbes Dutzend Formulare durchlesen, die mich über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz aufklärten. Wenn ich vorher nicht wusste wie...nun weiß ich es. Danach eine Tour des beeindruckenden Gebäudekomplexes des Woodrow Wilson Centers. Danach sollte ich schon mal in die Kongressbibliothek fahren und meine Forscherkarte beantragen. Damit ich nächste Woche direkt loslegen kann.
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| Hier im Lesesaal der Kongressbibliothek werde ich in Zukunft viel Zeit verbringen. |
Am Freitag dann mein erster richtiger Praktikumstag. Ich machte es mir morgens im Praktikantenbüro bequem und beschäftigte mich 8 1/2 Stunden mit Textarbeit. Ich bin quasi ein Textdetektiv, der versucht gewisse 500 Jahre alte Spuren in Texten zu finden. Nicht leicht, aber teilweise recht spaßig. Das klingt für die meisten nach Horror, wenn es nicht gerade frustrierend ist – man stößt immer wieder auf textliche Sackgassen – macht es tatsächlich Spaß.
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| Das Praktikantenbüro, sehr geräumig an einem Freitag Nachmittag. |
Ich fasse zusammen:
Seltsame aber interessante Gastredner gehört, Wahlkampagnenübung mitgemacht, einen Minivortrag zum Thema deutscher Politik gehalten, das Praktikum angefangen und heute dann zum Superbowl aufgebrochen. Eine recht erfolgreiche Woche. Vor allem weil in Deutschland eine gewisse Dame ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. HURRA!!!
Sonntag, 26. Januar 2014
Schnee, Interview, Praktikumssuche
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| Trine (l) und Thomas (r) kurz bevor die Schneeballschlacht ausbrach. Keine Toten, nur ein Schneemann musste daran glauben. |
Mittwoch war eigentlich voll gepackt mit Gastrednern und einem Writing Workshop in dem wir unsere Paper besprechen. Anstatt aber die geplanten 5 Stunden auf dem Campus zu verbringen gab es nur 45 Minuten mit unserem Professor, denn alle Gastredner hingen in Washingtons Vororten fest. Der Winterdienst in den USA umfasst wohl so einige Seitenstraßen nicht, so dass man außerhalb der großen Städten durchaus mal ohne Streufahrzeuge und geräumte Straßen auskommen muss. Noch ein freier Tag, damit muss man Leben. Die Zeit wurde genutzt, um sich auf das Vorstellungsgespräch am Donnerstag vorzubereiten. Vorstellungsgespräche sind ja bekanntlich meine Schwäche.
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| Nicht weit vom White House hat das Woodrow Wilson International Center for Scholars seinen Sitz |
"So how does that sound?"
"Fantastic!" – ist alles was mir dazu einfiel.
Donnerstag Abend habe ich dann eine Email von der Frau erhalten mit der ich auf dem Praktikumsbasar gesprochen hatte. "We have to interview one more prospective intern, we will get back to you as soon as possible." FUUUUUUCK, ich dachte ich hätte den Job schon so gut wie in der Tasche. Verdammt, verdammt, verdammt. Das klingt nicht gut. Freitags dann eine Email von Mr. Reston selbst: "OK Michael, we're all set!" YEAH!!! Geschafft. Ich sag euch nach diesem Semester kann sich mein Lebenslauf richtig sehen lassen. (Ich habe aus Gründen der Diskretion kein Foto von ihm selbst angehängt. Das kann sich aber jeder leicht durch googlen selbst besorgen)
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| Dieses schöne Bild von eurem geliebten Erzähler möchte ich euch nicht vorenthalten. Aufgenommen wurde es im Flur vor unserem Apartment am Samstagnachmittag von meinem geschätzten Roommate Thomas. |
Während ein erlösendes Päckchen mit Schokolade aus Deutschland noch unterwegs ist – der Postweg braucht seine Zeit – hat meine gewiefte Schwester die Kreditkarte gezückt und mich per Amazon Prime mit einer ersten Notration versorgt. Milka (10 Tafeln) und KINDER Riegel (etwas unter einem Kilo) mit denen ich die nächste Woche (ja, Singular!!!) ganz gut überstehen sollte. Wenn nun noch Irinas Päckchen mit weiteren Leckereien ankommt bin ich endgültig der Chocolate-King. Wenn ich nicht schon Freunde gefunden hätte könnte ich mir nun spätestens welche kaufen. Eine weitere Steigerung der Lebensqualität wurde mit deutschem Erfindergeist (Firma BRITA) und mexikanischer Handwerkskunst (Made in Mexico) bewerkstelligt. Die schlechte Leitungswasserqualität in den USA ist ja kein Geheimnis und daher gibt es hier überall Trinkflaschen der Marke BRITA mit eingebautem Wasserfilter, der den Großteil der Chemikalien und vor allem deren Geschmack aus dem Wasser herausfiltert. So muss ich mir nicht mehr kanisterweise Wasser kaufen, sondern kann ganz entspannt an meiner BRITA Radfahrflasche nuckeln. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von zwei Litern pro Tag sind das immer hin ca. 40 Dollar Ersparnis während meines gesamten Aufenthalts.
Montag, 20. Januar 2014
Chaos, Zerstörung, Verwunderung
"AU Alert: AU (American University) is closed Tuesday, Jan 21 due to expected inclement weather."
Obwohl es heute einer der wettermäßig schönsten Tage war seit ich in DC angekommen bin, ist für morgen wohl 2,5 bis 10cm Schneefall angesagt. Das ist ja quasi eine meteorologische Katastrophe auf die man als Uni-Administration nicht anders reagieren kann als den Campus für 10.000 Studenten zu schließen. Böse Zungen aus dem mittleren Westen behaupten, dass Washingtonians Schneeflocken nicht leiden können und die Stadt ab einem guten Dutzend derselbigen völlig zusammenbricht. Ich bin gespannt und nutze den Tag morgen um meine Versäumnisse des Wochenendes aufzuholen.
Obwohl es heute einer der wettermäßig schönsten Tage war seit ich in DC angekommen bin, ist für morgen wohl 2,5 bis 10cm Schneefall angesagt. Das ist ja quasi eine meteorologische Katastrophe auf die man als Uni-Administration nicht anders reagieren kann als den Campus für 10.000 Studenten zu schließen. Böse Zungen aus dem mittleren Westen behaupten, dass Washingtonians Schneeflocken nicht leiden können und die Stadt ab einem guten Dutzend derselbigen völlig zusammenbricht. Ich bin gespannt und nutze den Tag morgen um meine Versäumnisse des Wochenendes aufzuholen.
Sonntag, 19. Januar 2014
Praktikumssuche, welch' eine Qual. Ansonsten alles gut.
Der Ernst des Lebens beginnt. Nachdem der Lebenslauf letzte Woche mit Hilfe eines Coaches auf Vordermann und in US Format gebracht wurde, konnte Montag auf dem Praktikumsbasar um die Gunst möglicher Praktikumsbetriebe gebuhlt werden. Morgens in aller Frühe aufgestanden sich unter der Dusche mit frischem amerikanischem Chlorwasser waschen und ab in den besten (und einzigen) Anzug geschlüpft. Zum Glück wusste ich noch wie man sich die Krawatte bindet. Eine Scheibe von dem zuckrigen Kuchen den die Amerikaner "Brot" nennen sollte dafür sorgen, dass ich den Weg zum Austragungsort überstehe, denn dort wurde uns wieder gratis Frühstück versprochen. Bevor ich losging wollte ich noch schnell mein Gewinnerlächeln im Spiegel überprüfen...FUCK...rasieren sollte man sich vielleicht auch, sonst sieht man trotz Anzug weniger wie ein potenzieller Praktikant als vielmehr wie ein angehender Gebrauchtwagenhändler aus.
Nun gut, frisch rasiert auf dem Basar angekommen gibt es erstmal einen Kaffee um die Sinne zu stärken. Über einen Plausch mit Heather Broberg – eine sehr nette Mitarbeiterin der American University, die mehrere Jahre in Mainz studiert hat und immer wenn sie mich sieht automatisch ins Deutsche abrutscht – über die Firmen die gekommen sind verschafft mir erste Insiderinformationen über für mich interessante Firmen. Auf dem Basar ist jede Firma mit einem mal mehr mal weniger anschaulich präsentierten Tisch vertreten. Nach einer ersten Sondierung des Angebots nehme ich allen Mut zusammen und trete an den Pult der Konrad Adenauer Foundation.
"Hai, hau arju? Mai näim is Maikel vrom Schörmany!"
"Ach, aus Deutschland, dann können wir das ganze ja auch auf deutsch machen."
JUHU, ein Heimspiel. Ein kurzes, aber interessantes Gespräch über die Arbeit der Konrad Adenauer Stiftung. Die übliche Lebenslaufabgabe und weiter geht's. Die Gespräche verliefen eigentlich überall recht ähnlich. Die Firma stellt sich kurz vor, fragt dann was ich so mache, dann wird ein wenig über mögliche Tätigkeitsfelder geredet. Das Kampagnenteam für den demokratischen Bürgermeisterkandidaten suchte Praktikanten, das klingt nach Klinken putzen. Einige Non-Profits waren durchaus interessant. Am meisten interessierte aber eigentlich das Woodrow Wilson Center. Benannt nach Präsident Woodrow Wilson – dem einzigen Präsidenten mit Doktortitel – unterstützt das Center Autoren und Akademiker rund um den Erdball bei der Finanzierung ihrer Forschung und bei der Publikation derselben. Meine Deutschkenntnisse sind hier sicher ausschlaggebend. Ich wäre dort der Forschungsassistent eines Autors, der gerade an einem Werk über Martin Luther und die Reformation sowie über die Anschläge von 9/11. Beides nicht unbedingt Themen die besonders gut in mein bisheriges Forschungsfeld passen. Nichtsdestotrotz wäre dieses Praktikum eine umfassende Forschungserfahrung und wird mir sicher einigeTechniken beibringen, die ich später dann auch für meine Bachelorarbeit anwenden kann. Die Forschung wird vor allem in der Library of Congress abgehalten, ein Ort der an sich schon echt spannend ist. (Im Moment suche ich mit dem Autor nach einem Termin um alle Details zu besprechen)
Montag war auch der erste richtige Uni-Tag. Das ist nicht so das große Ding. Der Stoff wird nicht unbedingt anspruchsvoll, was etwas Umgewöhnung bedarf ist die Art der Paper und Exams. Unser erstes Paper ist am 11. Februar fällig. Darin sollen wir eine Wahlkampfkampagne für eine 2014 kommende Kongress- oder Senatswahl entwerfen. Da haben wir drei ausländischen Studenten im American Politics natürlich direkt einen kleinen Nachteil. Denn während die US Studenten einfacherweise den Abgeordneten aus ihrem Heimatbezirk nehmen können und sich dementsprechend gut mit den Wahlkampfanforderungen dieses Bezirks auskennen, so müssen wir uns erstmal in die Wahllandschaft 2014 einlesen, einen passenden Kandidaten finden, den Wahlbezirk intensiv erforschen und können dann erst wirklich anfangen das Paper zu schreiben. Dafür wird wohl der morgige Martin Luther King Jr. Day draufgehen. Ansonsten ist es viel Lesestoff, einige Diskussionen, also nichts Neues.
Worauf ich mich dieses Semester am meisten freue sind die zwei bis drei Gastredner pro Woche. Diese Woche hatten wir schon das Zweifelhafte vergnügen einen ehemaligen Hinter-den-Kulissen Politiker kennenzulernen. Interessant ist dabei die amerikanische Perspektive zu sehen. Während man aus der deutschen Presse eine andere, europäische Sicht auf die Dinge gewöhnt ist, so war es bei unserem ersten Redner interessant zu sehen wie die andere Seite des Atlantik über Snowden, die NSA und US Außenpolitik denkt. Da muss man leider seine eigene Meinung runterschlucken und zuhören.
Was langsam etwas nervt ist das Essen in den USA. Alles ist voller Zucker und Zusätze. Das Brot ist einfach nur widerlich süß, so manches Bier ist ungenießbar und Obst und Gemüse sind extrem überteuert. Ein Angebots-Overkill im Supermarkt gibt mir dann immer den Rest. Kulinarisch ist das bisher keine Traumreise. Naja, einen guten Burger habe ich bisher gegessen. Ach übrigens, wisst ihr was Fast Food ohne deutsche Effizienz ist? Einfach nur Food.
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| Das Washington Monument wurde 2011 bei einem Erdbeben beschädigt und wird immer noch restauriert. |
Nun gut, frisch rasiert auf dem Basar angekommen gibt es erstmal einen Kaffee um die Sinne zu stärken. Über einen Plausch mit Heather Broberg – eine sehr nette Mitarbeiterin der American University, die mehrere Jahre in Mainz studiert hat und immer wenn sie mich sieht automatisch ins Deutsche abrutscht – über die Firmen die gekommen sind verschafft mir erste Insiderinformationen über für mich interessante Firmen. Auf dem Basar ist jede Firma mit einem mal mehr mal weniger anschaulich präsentierten Tisch vertreten. Nach einer ersten Sondierung des Angebots nehme ich allen Mut zusammen und trete an den Pult der Konrad Adenauer Foundation.
"Hai, hau arju? Mai näim is Maikel vrom Schörmany!"
"Ach, aus Deutschland, dann können wir das ganze ja auch auf deutsch machen."
JUHU, ein Heimspiel. Ein kurzes, aber interessantes Gespräch über die Arbeit der Konrad Adenauer Stiftung. Die übliche Lebenslaufabgabe und weiter geht's. Die Gespräche verliefen eigentlich überall recht ähnlich. Die Firma stellt sich kurz vor, fragt dann was ich so mache, dann wird ein wenig über mögliche Tätigkeitsfelder geredet. Das Kampagnenteam für den demokratischen Bürgermeisterkandidaten suchte Praktikanten, das klingt nach Klinken putzen. Einige Non-Profits waren durchaus interessant. Am meisten interessierte aber eigentlich das Woodrow Wilson Center. Benannt nach Präsident Woodrow Wilson – dem einzigen Präsidenten mit Doktortitel – unterstützt das Center Autoren und Akademiker rund um den Erdball bei der Finanzierung ihrer Forschung und bei der Publikation derselben. Meine Deutschkenntnisse sind hier sicher ausschlaggebend. Ich wäre dort der Forschungsassistent eines Autors, der gerade an einem Werk über Martin Luther und die Reformation sowie über die Anschläge von 9/11. Beides nicht unbedingt Themen die besonders gut in mein bisheriges Forschungsfeld passen. Nichtsdestotrotz wäre dieses Praktikum eine umfassende Forschungserfahrung und wird mir sicher einigeTechniken beibringen, die ich später dann auch für meine Bachelorarbeit anwenden kann. Die Forschung wird vor allem in der Library of Congress abgehalten, ein Ort der an sich schon echt spannend ist. (Im Moment suche ich mit dem Autor nach einem Termin um alle Details zu besprechen)
Montag war auch der erste richtige Uni-Tag. Das ist nicht so das große Ding. Der Stoff wird nicht unbedingt anspruchsvoll, was etwas Umgewöhnung bedarf ist die Art der Paper und Exams. Unser erstes Paper ist am 11. Februar fällig. Darin sollen wir eine Wahlkampfkampagne für eine 2014 kommende Kongress- oder Senatswahl entwerfen. Da haben wir drei ausländischen Studenten im American Politics natürlich direkt einen kleinen Nachteil. Denn während die US Studenten einfacherweise den Abgeordneten aus ihrem Heimatbezirk nehmen können und sich dementsprechend gut mit den Wahlkampfanforderungen dieses Bezirks auskennen, so müssen wir uns erstmal in die Wahllandschaft 2014 einlesen, einen passenden Kandidaten finden, den Wahlbezirk intensiv erforschen und können dann erst wirklich anfangen das Paper zu schreiben. Dafür wird wohl der morgige Martin Luther King Jr. Day draufgehen. Ansonsten ist es viel Lesestoff, einige Diskussionen, also nichts Neues.
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| Irina bewacht meine Bücher sehr gut! |
Was langsam etwas nervt ist das Essen in den USA. Alles ist voller Zucker und Zusätze. Das Brot ist einfach nur widerlich süß, so manches Bier ist ungenießbar und Obst und Gemüse sind extrem überteuert. Ein Angebots-Overkill im Supermarkt gibt mir dann immer den Rest. Kulinarisch ist das bisher keine Traumreise. Naja, einen guten Burger habe ich bisher gegessen. Ach übrigens, wisst ihr was Fast Food ohne deutsche Effizienz ist? Einfach nur Food.
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| Für 4$ kann man sich ein kleines Glas Heimat kaufen. |
Donnerstag, 16. Januar 2014
HILFE! HELP! AU SECOURS!
WIR haBEN IHRE son. SIE SHYKen 5kilo MILKa CHOKE-O-Bin Laden UND 5kilo KINDER Chocolate in KLEINen nicht nummerierten tafeln an unten stehende ADDRESSe. NO FUNNY STUFF, NO POLICE!!!! AND PLEASE NO HERSHEY BARS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Dienstag, 14. Januar 2014
The Amazing Race
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| Aufgabenzettel der zweiten Runde |
Die erste Runde ist dann noch recht einfach zu erledigen. Einige Sachen zusammensammeln. Und vor allem fleißig die Bilderaufgaben abhaken. Ein Gruppenfoto als menschliche Pyramide (ich natürlich ganz unten) [check], die Übersetzung des Teamnamens in drei Sprachen Team Abgefahren!!! [check], Foto vor dem Haus in dem Abraham Lincoln erschossen wurde, das ist etwas für die Geschichtskenner...Ford Theater ist natürlich richtig [check]. Ein Bild mit Typ im Anzug (das ist in Washington DC am Wochenende gar nicht so einfach. Die Anzugträger verziehen sich am Wochenende in ihre Vororte und gated communities zurück. Ein bisschen Schummeln beschert uns dann doch einen Anzugträger) [check]. Ein Gruppenfoto mit einem Mitarbeiter des Hardrock Cafe [check].
Mit jedem Bild bewegen wir uns weiter in Richtung Innenstadt, mussten wir doch pünktlich oder besser überpünktlich am Treffpunkt sein. Die ersten beiden Teams die beim Checkpoint ankommen bekommen Extrapunkte, die möchten wir natürlich verbuchen können. Der Treffpunkt ist das National Museum of American History, genau meine Art von Museum. Von der Metro schnell zum Treffpunkt....NEIN drittes Team, das bekommt natürlich keine Extrapunkte. Egal, viele Punkte abgehakt. Wir bleiben im Rennen, ja das war es wirklich für uns – ein Rennen. Wie sich später herausstellte waren wir das einzige Team was das Wörtchen RACE im Titel wörtlich nahm.
Juhu, die zweite Runde darf wir aufgrund des schlechten Wetters komplett im Museum absolvieren. Na super. Nachdem ich in der ersten Runde, bei meinem ersten Besuch downtown, an von mir lange ersehnten Sehenswürdigkeiten wie dem Capitol und dem Washington Monument vorbeirennen durfte muss ich in der zweiten Runde durch das Museum meiner Träume rasen. Dabei hatte ich mir doch vorgenommen jede einzelne Tafel in diesem Museum aufzusaugen...nun gut, ich muss in den sauren Apfel beißen und durchrennen. Logischerweise sind hier vor allem Antworten auf Geschichtsfragen gesucht. Nachdem wir die Aufgaben so gut wie möglich erfüllt haben geht es schnell zur Union Station, runter in den Food Court, denn dort warten die Veranstalter mit dem nächsten Checkpoint auf uns. Schnell, schnell, denn die ersten beiden Teams bekommen doch Extrapunkte. VERDAMMT wieder drittes Team...
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| Ein Lunchcounter im American History Museum, in Gedenken an den Kampf gegen die Rassentrennung. Alle außer der Franzose Thomas haben die Ernsthaftigkeit der Kulisse begriffen. |
Eine kurze Pause im Food Court wird genutzt um das erste Mal richtig etwas zu essen. Alle sind fertig mit den Nerven. Keiner möchte mehr rennen, keiner möchte mehr aufstehen. Das erste Team gibt auf. Juhu, das heißt wir werden schon mal nicht letzter. Bevor wir loslegen stellt Brendan, der junge Mann aus New Orleans, die entscheidende Frage "Ok, how set are you guys on winning?" (Übersetzt: "Wie sehr wollt ihr gewinnen?"), auf diese Frage hätten wir zwei Stunden zuvor noch geantwortet, dass es keine Alternative zu einem Sieg gibt. Doch jetzt, alle nass, keiner mehr Energie. Irgendwie alles Mist. Nun ja, die rettende Idee war folgende: Anstatt sich auf die lange Liste von Aufgaben mit kleiner Punktzahl zu stürzen konzentrieren wir uns lieber auf die eine dicke Sonderaufgabe. Diese bringt zwar so viel wie alle anderen Aufgaben kombiniert ist dafür aber auch deutlich schwierig. Aufgabe: ein Gruppenfoto mit der Crazy-Lady vor dem White House zu ergattern. Diese Frau sitzt seit dreißig Jahren vor dem Weißen Haus um dort für Abrüstung zu Protestieren. Vor kurzem wurde sie mit einem wenig schmeichelhaften Artikel in der Washington Post geehrt. Das gefährliche: kommt man einmal mit ihr ins Gespräch lässt sie einen nicht mehr gehen. Unser Plan ist kühn, während Theodora (eine französische Chinesin, oder eher chinesische Französin) die Frau ablenkt stellt sich der Rest der Truppe neben das Zelt der Crazy-Lady. Im richtigen Moment macht ein eingeweihter Passant ein Foto und TADAAAA 500 Punkte auf das Konto von Team Awesome.
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| Die gute alte Crazy-Lady, auf ihrem Schild steht übrigens "Disarm Israhell" |
Bei der Auswertung können wir es nach den Plätzen 4-10 nicht glauben, dass wir es unter die Top 3 geschafft haben. Jetzt heißt es: bloß nicht den zweiten Platz machen. Der dritte Platz ist mit einem Empfang in der Slowenischen Botschaft ja noch recht akzeptabel. Der zweite Platz hört sich jedoch sehr lahm an: Modenschau in der Botschaft von Saudi-Arabien...genau da gibt es sicher keine offene Bar. Doch unser bescheidenes Team machte am Ende nicht weniger als den ERSTEN PLATZ!!!!! Dieser umfasst einen Ball am Valentinstag in der französischen Botschaft. Das ist doch mal ziemlich cool. Das einzige Problem ist: ich habe keinen Smoking, tanze nicht und würde Valentinstag eigentlich viel lieber mit jemand anderen verbringen. Ich vermisse meinen Zwerg!!!
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| Das gesamte Team Awesome mit einer Siegespizza |
Freitag, 10. Januar 2014
Basketball, anspruchsvolle Professoren und das erste böse Tief!
Mittwoch gab es die volle Dröhnung Amerika. Ein College Basketballspiel. Die American Eagles gegen die Greyhounds. Für Studenten sind diese Veranstaltungen kostenlos. Basketball, was ich bisher nur aus Filmausschnitten oder aus dem Sportunterricht kannte ist ein seltsames Spiel. Wenn gespielt wird ist es unglaublich intensiv und schnell. Nur leider wird kaum gespielt. Alle drei Minuten gibt es "OFFICIAL TIME OUT – buy this, eat that, drink coke, get a T-Shirt, a word from our sponsor...bla bla bla bla!". Ich hatte das Gefühl die Cheerleader haben sich mehr bewegt als die Spieler auf dem Feld. Das schlimmste ist, dass bei diesen Auszeiten auch die Uhr angehalten wird und eine Halbzeit mit eigentlich 20 Minuten ganze 70 Minuten dauert. Brandon – ein netter junger Mann aus New Orleans mit dem ich mich angefreundet habe – sagte, dass nur Football langsamer ist. Da zufällig am Samstag das Spiel der New Orleanser Footballmannschaft übertragen wird, möchte er mir das direkt beweisen. Die beste Methode wie man das Basketballspiel überlebt ist so zu tun als würde man mitfiebern in dem man einfach das macht was die Fans machen: sich einbilden, dass es wichtig ist, dass die eigene Mannschaft gewinnt. Wie viel Geld die Uni in die Sportmannschaften steckt ist unglaublich. Diese Sportarena inkl. Fitnessstudio (frei nutzbar für Studenten :P ) hat wahrscheinlich mehr gekostet als der gesamte Campus der Uni Mainz. Naja, wer's braucht...unser Team hat übrigens gewonnen und das obwohl das andere Team viel mehr Schwarze hatte.
Am Donnerstag morgen ging es wie so oft diese Woche los mit Einführungsveranstaltungen. Zunächst wurde das ganze Team vorgestellt. Ein lustiger Haufen Leute. Einige davon haben sehr amüsante, sehr kreative Reden gehalten. Um uns Studenten und vor allem uns ausländische Studenten auf das vorzubereiten was kommt gab es eine Art Motivationsrede von einem Professor, der ohne Probleme als Stand Up-Comedian hätte durchgehen können. Die Rede oder Mini-Vorlesung war zum Thema "Culture Shock and Inter-Cultural Communication". Dabei wurde uns gesagt, dass wir sehr bald einen schlimmen Kulturschock erleben werden und uns gerade noch in der "Es ist alles super"-Phase befinden, dass aber bald verschwinden wird. Bei dieser Veranstaltung wurden uns Frühstück und Mittag spendiert, eine tolle Art Lebensmittelkosten zu sparen (Produkte wie Obst, Gemüse, Brot und Fleisch sind hier so unglaublich teuer). Donnerstag gab es auch die ersten Veranstaltung, denn langsam wird es ernst. Das Niveau was gefordert wird klingt zunächst sehr hoch, ob sich das ganze dann als recht machbar herausstellt wird sich zeigen. Unser Professor heißt Professor Semiati und ist ein netter Kerl, der einen gleichzeitig dazu bringt sich vor Anspannung in die Hose zu machen und sich darauf auch noch zu freuen. Nach Professor Semiati kam unser Praktikumsprofessor Dan Freeman zu uns. Ein harter Knochen. Bis Montag muss ich ein Buch zum Thema "Politics in the Beltway" (DC wird auch Beltway genannt) durchackern und mein erstes Paper einreichen. So viel zu meinem entspannten Wochenende.
Zwischen dem ersten Class Meeting und dem abendlichen Empfang (wieder gratis Essen!) ging es schnell zum AT&T dem größten Handyanbieter in den USA. Eine US Nummer ist wichtig, nicht nur um sich mit dem Studenten zu verabreden, sondern auch um potenziellen Praktikumsbetrieben eine Kontaktmöglichkeit zu bieten. Der Empfang war durchaus nett. Das ein oder andere Wort mit meinem Professor gewechselt und einige der US Studenten näher kennengelernt. Uns Europäern sieht man deutlich an, dass uns das socializing ohne einen Drink deutlich schwerer fällt. So hat sich schnell eine Gruppe 21+ gefunden und ist in eine nahegelegene Bar gezogen. Dort wurden meine lang gehegten Vorurteile gegen amerikanisches Bier ausgeräumt und viel geredet über die Politik und unterschiedlichen Kulturen der Heimatländer. Schön ist, dass auch innerhalb der USA das kulturelle Leben von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein kann. Brandon, aus der pulsierenden Stadt New Orleans, und Liz, aus einem Kuhkaff, in Minnesota sind völlig andere Persönlichkeiten. Die republikanische Liz konnte dann aber nach einem von Brandon spendierten Drink die Selbstzensur das Füllwort FUCK betreffend überwinden. Lächerlich. Jeder weiß was sie meint wenn sie BUCK sagt...da die Amerikaner nicht besonders Trinkfest sind – der 20 Jährige Danny aus Boston, dem wir illegalerweise ein Bier verschafft haben, kapitulierte nach der Hälfte seines Glases – und die Franzosen über irgendetwas erzürnt das Lokal verließen blieb nur noch ein kleiner Kreis zurück, der sich dann recht schnell alkohollos auf eines der Wohnheimszimmer verzog. Dort wurde noch viel geredet und dann irgendwann gegen halb 2 die Segel gestrichen.
Freitag dann zwar keine Veranstaltungen, dafür aber das erste Tief. Irgendjemand fehlt jeden morgen neben mir wenn ich aufwache und Irina ist auch nicht da wenn ich einschlafe...das ist ungewohnt und macht mich jeden morgen aufs Neue traurig. Da Freitag keine Veranstaltungen angesetzt waren, außer die Lebenslaufbewertung, blieb die wohltuende Ablenkung aus und das Tief hielt bis zu einem für mich abendlichen, für Irina nächtlichen Webcamgespräch an. "You two are so cute" war der Kommentar meines Norwegers nach dem Gespräch. Thomas versteht leider recht viel deutsch, wodurch die erhoffte Privatsphäre etwas gemindert wird. Morgen gibt es nun eine von der Uni organisierte Schnitzeljagd durch DC. Endlich eine Chance die Stadt besser kennenzulernen. Bisher blieb dafür viel zu wenig Zeit.
| Der einzige Schwarze in unserem Team beim Korbleger. |
Zwischen dem ersten Class Meeting und dem abendlichen Empfang (wieder gratis Essen!) ging es schnell zum AT&T dem größten Handyanbieter in den USA. Eine US Nummer ist wichtig, nicht nur um sich mit dem Studenten zu verabreden, sondern auch um potenziellen Praktikumsbetrieben eine Kontaktmöglichkeit zu bieten. Der Empfang war durchaus nett. Das ein oder andere Wort mit meinem Professor gewechselt und einige der US Studenten näher kennengelernt. Uns Europäern sieht man deutlich an, dass uns das socializing ohne einen Drink deutlich schwerer fällt. So hat sich schnell eine Gruppe 21+ gefunden und ist in eine nahegelegene Bar gezogen. Dort wurden meine lang gehegten Vorurteile gegen amerikanisches Bier ausgeräumt und viel geredet über die Politik und unterschiedlichen Kulturen der Heimatländer. Schön ist, dass auch innerhalb der USA das kulturelle Leben von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein kann. Brandon, aus der pulsierenden Stadt New Orleans, und Liz, aus einem Kuhkaff, in Minnesota sind völlig andere Persönlichkeiten. Die republikanische Liz konnte dann aber nach einem von Brandon spendierten Drink die Selbstzensur das Füllwort FUCK betreffend überwinden. Lächerlich. Jeder weiß was sie meint wenn sie BUCK sagt...da die Amerikaner nicht besonders Trinkfest sind – der 20 Jährige Danny aus Boston, dem wir illegalerweise ein Bier verschafft haben, kapitulierte nach der Hälfte seines Glases – und die Franzosen über irgendetwas erzürnt das Lokal verließen blieb nur noch ein kleiner Kreis zurück, der sich dann recht schnell alkohollos auf eines der Wohnheimszimmer verzog. Dort wurde noch viel geredet und dann irgendwann gegen halb 2 die Segel gestrichen.
Freitag dann zwar keine Veranstaltungen, dafür aber das erste Tief. Irgendjemand fehlt jeden morgen neben mir wenn ich aufwache und Irina ist auch nicht da wenn ich einschlafe...das ist ungewohnt und macht mich jeden morgen aufs Neue traurig. Da Freitag keine Veranstaltungen angesetzt waren, außer die Lebenslaufbewertung, blieb die wohltuende Ablenkung aus und das Tief hielt bis zu einem für mich abendlichen, für Irina nächtlichen Webcamgespräch an. "You two are so cute" war der Kommentar meines Norwegers nach dem Gespräch. Thomas versteht leider recht viel deutsch, wodurch die erhoffte Privatsphäre etwas gemindert wird. Morgen gibt es nun eine von der Uni organisierte Schnitzeljagd durch DC. Endlich eine Chance die Stadt besser kennenzulernen. Bisher blieb dafür viel zu wenig Zeit.
Dienstag, 7. Januar 2014
Scheiden tut weh, ankommen macht Freude.
Nun bin ich tatsächlich hier. US of A. Wenn das meine Mutter wüsste. Langsam realisiere ich, dass das nun nicht mehr nur hypothetisch ist. Während den monatelangen Mühen rund um Finanzierung, Bewerbung und Visa-Antrag befand ich mich in einem steten Zustand der Negation. Die Negation der Tatsache, dass dieses hypothetische Auslandssemester irgendwann auch mal real werden wird. Für mich als chronischer Stubenhocker, pathologischer Reisemuffel und überzeugter Verächter jeglicher Vorausplanung war es zwar seit jeher ein Traum in das land of the free und home of the brave zu reisen, so richtig greifbar war das Ganze jedoch nicht. Nach zig Formularen, Bewerbungsschreiben und fast verpasster deadlines (Englisch für Abgabefrist) rückte der Traum immer weiter in Richtung Verwirklichung. Doch selbst als der hübsche schwarze Roboter im US-Konsulat mich ohne jeden Ausdruck im Gesicht, ohne jede Betonung in der Stimme beglückwünschte – "congratulations, your VISA has been granted" – selbst da war es mir noch nicht so recht klar was da kommen wird.
Der Koffer wurde gepackt – 21,8kg; da war noch Kapazität für mehr – und ins Auto getragen. Am Flughafen der erste Shock: Reisen heißt auch Abschied nehmen. Meine beiden Lieblingsfrauen und ich nahmen es schwer, kein knuddeln mehr für 4 Monate, wie sollen wir das aushalten? Das ist doch unsere Lieblingsbeschäftigung!!! Von Vater bekam ich eine väterliche Umarmung und den ebenso väterlichen Schulterklopfer der diese Umarmung erst zu dem macht was sie ist. Der Zoll ließ mich raus, die Sicherheitsleute rein – in den Flieger. Nach ca. einer Stunde auf dem Rollfeld die Ansage, dass wir noch auf Passagiere eines gekänzelten (ihr wisst was ich meine) New York Fluges warten, der Flug wurde aufgrund des Wetterchaoses an der Ostküste gestrichen. Da kann man nicht böse sein, die wollen ja auch heim. Ungefähr 1 1/2 Stunden nach geplantem Start waren wir dann auch in der Luft. Vor lauter geistiger Umnachtung hatte ich nicht den Nerv mich direkt meiner mitgebrachten Flugzeiglektüre zu widmen und stürzte mich direkt auf das doch recht ansehnliche Filmprogramm in der Kopfstütze vor mir. Wir fliegen tatsächlich immer noch die alte Lindbergh-Route, über Irland nach Neufundland und dann runter über Neuengland nach Washington. Ich bin also ein kleiner Lindbergh. Nur das Lindbergh bei seinem Flug nicht die Möglichkeit hatte dem neuen Woody Allen-Film eine zweite Chance zu geben – schade eigentlich, der hätte Lucky Lindy sicher gut gefallen. Nach etwas unter 9 Stunden Flug landen wir aufgrund des eisigen Windes recht holprig und hart auf dem Dulles Airport in Washington. Soweit so gut. Der nuschelnde Zollbeamte war die erste schwere Hürde auf dem Weg zu meiner Einreise. "Pls plc yr rght frfngrs n th scnner" sollte wohl "please place your right four fingers on the scanner" heißen. Egal, Stempel kassiert und auf zum nächsten Zollbeamten, der mich durchwinkt ohne auch nur einen Funken Interesse für den heiklen Inhalt meines Koffers aufzubringen. Umso besser. Fehlende Lust auf eine lange anstrengende Bahnfahrt führte zu meinem ersten Luxus in den USA, eine Taxifahrt. Der Fahrstil unterscheidet sich tatsächlich kaum merklich von dem deutscher Taxilenker.
Die Ankunft im Wohnheim lief recht gut. Nach anfänglicher Schwierigkeiten meinen Schlüssel ausfindig zu machen wurde ich vom schwarzen Concierge, der tatsächlich Jamaahl heißt, auf mein Zimmer gelassen. Dort erwartete mich ein sehr freundlicher, sehr hilfsbereiter Norweger namens Thomas. Toller Kerl. Die nächtliche Suche nach Decke und Kissen – ja, dieses überteuerte Wohnheim bietet tatsächlich weder Geschirr noch Bettzeug, alles muss besorgt werden – war semi-erfolgreich. Ein Kissen wurde schnell ausfindig gemacht, als Decke musste der Schlafsack meines bereits mit Decke versorgten Norwegers herhalten. Insgesamt macht die Wohnsituation einen eher schlechten Eindruck. Was auf Werbebildern im Internet noch luxuriös und sauber aussah ist eher eine Absteige. Das Zimmer ist ausreichend groß, aber wurde recht schmutzig an uns übergeben. Die erste Kakerlake wurde erlegt und sorgte für etwas unbehagen. Doch die Not macht erfinderisch. Da wir davon ausgehen, dass die Kriechtiere vor allem aus den Abflüssen kommen wurden schnell Abflussdeckel konstruiert. Die 8$ für Kakerlakenfallen können so erstmal umgangen werden. Kakerlaken aus dem Abfluss, das ist wohl das Resultat der grandiosen amerikanischen Idee alle Essensreste in den Abfluss zu schütten und dort mit einem Abfallzerkleinerer zu zermatschen. Scheint eine super Nahrungsquelle für Kleintiere darzustellen.
Nach einer angenehmen Nacht ging es morgens als erste Amtshandlung in der neuen Stadt nach downtown zur Union Station um dem großen WalMart einen Besuch abzustatten. Ein Großeinkauf um den Haushalt etwas funktionaler zu gestalten. Teller, Gläser, Besteck, Kaffeemaschine und das Wichtigste – Putzutensilien. Am Ende des Ausflugs stand eine leider hübsche Summe auf der Rechnung und meine bereits zweite an Deutschland interessierte Verkaufskraft – der Herr der mir am Abend zuvor mein Kissen verkaufte antwortete auf meine Herkuft "Einen schönen Tag der Herr. Ich habe damals in Heidelberg studiert. Woher in Deutschland kommen Sie." in zwar nicht akzentfrei aber doch recht fließendem deutsch. Die WalMart Verkäuferin erzählte im feinsten Slang, dass Sie als 16 Jährige mit Ihrem stationierten Vater in Deutschland war und fragte anschließend wie es in Deutschland denn um die Rechte der Frau und die Legalität von Prostitution bestellt sei. Amerika hat die faszinierendsten und interessiertesten Verkaufskräft überhaupt zu bieten. Der nächste faszinierende Mensch war Taxifahrer Mr. Benny C. Hayes, endlich ein entspannter Taxifahrer, der die ganze Fahrt über nur Mendelssohn gehört hat. Amerika du tolles Fleckchen Erde.
Böse Zungen behaupten, dass die offene Freundlichkeit der Amerikaner nur sehr oberflächlich sei. Thomas und ich erlebten die Menschen als äußerst herzlich. Bei unserem International Student Check-In an der Uni wurden uns jegliche sorgen genommen und jede unserer Fragen mit einem Lächeln entgegnet. Ms. Stephanie Andrews Ruckers – die wir inzwischen schon nur noch Stephanie nennen – ist für uns zuständig und immer für einen Schwatz zu haben. Auf dem Campus wurden zunächst Formalitäten erledigt: Immigrationsformulare abgeholt, Student ID ausgestellt und erste Fragen zu zu hohen Rechnungen geklärt. Der Campus ist wunderbar. Tolle Gebäude, alles auf einem Gelände und eine Landschaftsgestaltung von der sich die Uni Mainz eine Scheibe abschneiden kann. Abends war dann socializing angesagt. Auf einem ersten informellen Empfang für internationale Studenten sollten man sich gegenseitig kennenlernen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten klappte das sogar recht gut. Thomas kannte bereits vier Norwegerinnen aus seiner Heimatuni und andere seiner Landsmänner und Frauen gesellten sich schnell dazu. Die Norweger stellen dieses Jahr das größte Kontingent ausländischer Studenten. Doch auch nicht-Norweger waren schnell gefunden. Ein sehr nettes Pärchen aus Dänemark, eine Dame aus Südfrankreich, ein Herr aus Südkorea, ein anderer aus Australien. Ja sogar zwei Deutsche und eine leicht übermotivierte Österreicherin waren dabei. Da freut man sich richtig auf die Kurse, wo man sich näher kennenlernen kann. Wir haben schon so eine Art Alte-Leute-Party geplant. Da die meisten Studenten in unserem Washington Semester Program zwischen 19 und 21 sind planen wir älteren Europäer uns zusammenzufinden und unsere Volljährigkeit nach US-amerikanischen Recht feiern.
Nun ein kurzer Exkurs zum Wetter, da dazu schon einige Fragen aus der Heimat kamen. Schnee gibt es keinen, eigentlich scheint immer die Sonne. Die Temperaturen liegen so um die –14°C, was eine Kälte in Kombination mit strahlendem Sonnenschein darstellt, die ich so sonst nur aus den Alpen kenne. Das Ganze ist gut zu ertragen wenn man richtig angezogen ist. Nur das Gesicht friert regelmäßig ab. Insgesamt waren es gute 1 1/4 Tage in Washington. Nun wo die ersten Einkäufe gemacht wurden und ich mit Kaffee und Cornflakes versorgt bin, kann hoffentlich das Touristenprogramm anfangen. Auch wenn der Zeitplan für diese Woche, der uns ausgehändigt wurde, recht eng ist und wenig Luft für eigene Aktivitäten lässt. Ich werde weiter berichten.
Der Koffer wurde gepackt – 21,8kg; da war noch Kapazität für mehr – und ins Auto getragen. Am Flughafen der erste Shock: Reisen heißt auch Abschied nehmen. Meine beiden Lieblingsfrauen und ich nahmen es schwer, kein knuddeln mehr für 4 Monate, wie sollen wir das aushalten? Das ist doch unsere Lieblingsbeschäftigung!!! Von Vater bekam ich eine väterliche Umarmung und den ebenso väterlichen Schulterklopfer der diese Umarmung erst zu dem macht was sie ist. Der Zoll ließ mich raus, die Sicherheitsleute rein – in den Flieger. Nach ca. einer Stunde auf dem Rollfeld die Ansage, dass wir noch auf Passagiere eines gekänzelten (ihr wisst was ich meine) New York Fluges warten, der Flug wurde aufgrund des Wetterchaoses an der Ostküste gestrichen. Da kann man nicht böse sein, die wollen ja auch heim. Ungefähr 1 1/2 Stunden nach geplantem Start waren wir dann auch in der Luft. Vor lauter geistiger Umnachtung hatte ich nicht den Nerv mich direkt meiner mitgebrachten Flugzeiglektüre zu widmen und stürzte mich direkt auf das doch recht ansehnliche Filmprogramm in der Kopfstütze vor mir. Wir fliegen tatsächlich immer noch die alte Lindbergh-Route, über Irland nach Neufundland und dann runter über Neuengland nach Washington. Ich bin also ein kleiner Lindbergh. Nur das Lindbergh bei seinem Flug nicht die Möglichkeit hatte dem neuen Woody Allen-Film eine zweite Chance zu geben – schade eigentlich, der hätte Lucky Lindy sicher gut gefallen. Nach etwas unter 9 Stunden Flug landen wir aufgrund des eisigen Windes recht holprig und hart auf dem Dulles Airport in Washington. Soweit so gut. Der nuschelnde Zollbeamte war die erste schwere Hürde auf dem Weg zu meiner Einreise. "Pls plc yr rght frfngrs n th scnner" sollte wohl "please place your right four fingers on the scanner" heißen. Egal, Stempel kassiert und auf zum nächsten Zollbeamten, der mich durchwinkt ohne auch nur einen Funken Interesse für den heiklen Inhalt meines Koffers aufzubringen. Umso besser. Fehlende Lust auf eine lange anstrengende Bahnfahrt führte zu meinem ersten Luxus in den USA, eine Taxifahrt. Der Fahrstil unterscheidet sich tatsächlich kaum merklich von dem deutscher Taxilenker.
Die Ankunft im Wohnheim lief recht gut. Nach anfänglicher Schwierigkeiten meinen Schlüssel ausfindig zu machen wurde ich vom schwarzen Concierge, der tatsächlich Jamaahl heißt, auf mein Zimmer gelassen. Dort erwartete mich ein sehr freundlicher, sehr hilfsbereiter Norweger namens Thomas. Toller Kerl. Die nächtliche Suche nach Decke und Kissen – ja, dieses überteuerte Wohnheim bietet tatsächlich weder Geschirr noch Bettzeug, alles muss besorgt werden – war semi-erfolgreich. Ein Kissen wurde schnell ausfindig gemacht, als Decke musste der Schlafsack meines bereits mit Decke versorgten Norwegers herhalten. Insgesamt macht die Wohnsituation einen eher schlechten Eindruck. Was auf Werbebildern im Internet noch luxuriös und sauber aussah ist eher eine Absteige. Das Zimmer ist ausreichend groß, aber wurde recht schmutzig an uns übergeben. Die erste Kakerlake wurde erlegt und sorgte für etwas unbehagen. Doch die Not macht erfinderisch. Da wir davon ausgehen, dass die Kriechtiere vor allem aus den Abflüssen kommen wurden schnell Abflussdeckel konstruiert. Die 8$ für Kakerlakenfallen können so erstmal umgangen werden. Kakerlaken aus dem Abfluss, das ist wohl das Resultat der grandiosen amerikanischen Idee alle Essensreste in den Abfluss zu schütten und dort mit einem Abfallzerkleinerer zu zermatschen. Scheint eine super Nahrungsquelle für Kleintiere darzustellen.
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| Ein stolzer Thomas nachdem er seine erste Kakerlake zur Strecke gebracht hat |
Nach einer angenehmen Nacht ging es morgens als erste Amtshandlung in der neuen Stadt nach downtown zur Union Station um dem großen WalMart einen Besuch abzustatten. Ein Großeinkauf um den Haushalt etwas funktionaler zu gestalten. Teller, Gläser, Besteck, Kaffeemaschine und das Wichtigste – Putzutensilien. Am Ende des Ausflugs stand eine leider hübsche Summe auf der Rechnung und meine bereits zweite an Deutschland interessierte Verkaufskraft – der Herr der mir am Abend zuvor mein Kissen verkaufte antwortete auf meine Herkuft "Einen schönen Tag der Herr. Ich habe damals in Heidelberg studiert. Woher in Deutschland kommen Sie." in zwar nicht akzentfrei aber doch recht fließendem deutsch. Die WalMart Verkäuferin erzählte im feinsten Slang, dass Sie als 16 Jährige mit Ihrem stationierten Vater in Deutschland war und fragte anschließend wie es in Deutschland denn um die Rechte der Frau und die Legalität von Prostitution bestellt sei. Amerika hat die faszinierendsten und interessiertesten Verkaufskräft überhaupt zu bieten. Der nächste faszinierende Mensch war Taxifahrer Mr. Benny C. Hayes, endlich ein entspannter Taxifahrer, der die ganze Fahrt über nur Mendelssohn gehört hat. Amerika du tolles Fleckchen Erde.
Böse Zungen behaupten, dass die offene Freundlichkeit der Amerikaner nur sehr oberflächlich sei. Thomas und ich erlebten die Menschen als äußerst herzlich. Bei unserem International Student Check-In an der Uni wurden uns jegliche sorgen genommen und jede unserer Fragen mit einem Lächeln entgegnet. Ms. Stephanie Andrews Ruckers – die wir inzwischen schon nur noch Stephanie nennen – ist für uns zuständig und immer für einen Schwatz zu haben. Auf dem Campus wurden zunächst Formalitäten erledigt: Immigrationsformulare abgeholt, Student ID ausgestellt und erste Fragen zu zu hohen Rechnungen geklärt. Der Campus ist wunderbar. Tolle Gebäude, alles auf einem Gelände und eine Landschaftsgestaltung von der sich die Uni Mainz eine Scheibe abschneiden kann. Abends war dann socializing angesagt. Auf einem ersten informellen Empfang für internationale Studenten sollten man sich gegenseitig kennenlernen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten klappte das sogar recht gut. Thomas kannte bereits vier Norwegerinnen aus seiner Heimatuni und andere seiner Landsmänner und Frauen gesellten sich schnell dazu. Die Norweger stellen dieses Jahr das größte Kontingent ausländischer Studenten. Doch auch nicht-Norweger waren schnell gefunden. Ein sehr nettes Pärchen aus Dänemark, eine Dame aus Südfrankreich, ein Herr aus Südkorea, ein anderer aus Australien. Ja sogar zwei Deutsche und eine leicht übermotivierte Österreicherin waren dabei. Da freut man sich richtig auf die Kurse, wo man sich näher kennenlernen kann. Wir haben schon so eine Art Alte-Leute-Party geplant. Da die meisten Studenten in unserem Washington Semester Program zwischen 19 und 21 sind planen wir älteren Europäer uns zusammenzufinden und unsere Volljährigkeit nach US-amerikanischen Recht feiern.
Nun ein kurzer Exkurs zum Wetter, da dazu schon einige Fragen aus der Heimat kamen. Schnee gibt es keinen, eigentlich scheint immer die Sonne. Die Temperaturen liegen so um die –14°C, was eine Kälte in Kombination mit strahlendem Sonnenschein darstellt, die ich so sonst nur aus den Alpen kenne. Das Ganze ist gut zu ertragen wenn man richtig angezogen ist. Nur das Gesicht friert regelmäßig ab. Insgesamt waren es gute 1 1/4 Tage in Washington. Nun wo die ersten Einkäufe gemacht wurden und ich mit Kaffee und Cornflakes versorgt bin, kann hoffentlich das Touristenprogramm anfangen. Auch wenn der Zeitplan für diese Woche, der uns ausgehändigt wurde, recht eng ist und wenig Luft für eigene Aktivitäten lässt. Ich werde weiter berichten.
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